Postverkehr in Neutral-Moresnet
Obwohl im neutralen Gebiet nie ein richtiges Postbüro bestanden hat bleiben
die Einwohner natürlich nicht vom Postverkehr verschont. So wie es auch mit
anderen Sachen der Fall war konnten die Einwohner des neutralen Gebiets auch
im Postverkehr auf zwei Gleisen fahren. Während der gesamten Dauer der
Unabhängigkeit haben sowohl die Preußen als auch die Belgier, gleichzeitig
jedoch völlig unabhängig von einander, den Postverkehr dort ausgeführt.
Sollte ein Brief nach Preußen verschickt werden klebte man eine preußische
Briefmarke auf und versand ihn mit der preußischen Post. Sollte der Brief
aber nach Belgien gehen so versah man ihn mit einer belgischen Briefmarke
und brachte ihn zur belgischen Post. In beiden Fällen galt der Inlandstarif.
Für die Postsendungen zu andere Länder konnte man einfach wählen zwischen
den preußischen und den belgischen Dienst je nach dem preiswertesten Tarif.
Das nächstgelegene Postbüro Belgiens in Henri-Chapelle welches für die Post
in Belgisch-Moresnet zuständig war war auch befugt diese im neutralen Gebiet
zu verteilen. Das nächstgelegene Postbüro von Preußen in Herbesthal welches
für Preußisch-Moresnet zuständig war hatte ebenfalls die Befugnis die Post
in Neutral-Moresnet zu verteilen. Beide Büros hatten ihren eigenen Postboten
welcher die Post im neutralen Gebiet zustellte und auch die Briefkästen
leerte.
Später hat die Vieille Montagne dafür gesorgt dass ein preußisches Büro in
Preußisch-Moresnet errichtet wurde. Sowie meistens wurde auch dieses Büro in
Räumlichkeiten der Vieille Montagne untergebracht.
Kelmiser Verkehrsanstalt
Bemerkenswertes Detail der Postgeschichte des Neutralen Gebiets ist die
Herausgabe einer Serie Briefmarken, nach einer Idee von Doktor Molly, Herrn
Beaufays und Herrn Crickboom, durch die Kelmiser Verkehrsanstalt.
Diese Briefmarken wurden höchstwahrscheinlich nach dem Vorbild der
preußischen Postdiensten ausgegeben und waren bestimmt für die Zustellung
innerhalb des neutralen Gebiets.
Am 5.Oktober 1886 kamen diese Briefmarken im Umlauf und bestanden aus einer
Serie von 8 Briefmarken im Wert von 1 Pfg, 2 Pfg, 3 Pfg, 4 Pfg, 5 Pfg, 10
Pfg, 20 Pfg und 50 Pfg.
Nachdem der Bürgermeister Kenntnis genommen hatte von dieser Ausgabe
benachrichtigte er die beiden Kommissare. Da in Neutral-Moresnet noch das
Französische Recht galt, welches den Postdienst als Staatsmonopol ansah,
erließen die Kommissare eine Verbotsverordnung. Die Briefmarken wurden somit
am 19.Oktober des gleichen Jahres als ungültig erklärt.
Sowohl die belgische als auch die preußische Post haben die durch die
Kelmiser Verkehrsanstalt ausgegebene Briefmarken nie anerkannt.
Nach 2 Wochen wurden diese Briefmarken
„außer Kurs gesetzt“.
Postbüros die das neutrale Gebiet versorgten
Für die Vereinigten Niederlande :
1815-1830 Henri-Chapelle, Herve und Lüttich
Für Belgien :
Ab 1830 – 1862 Herve und Lüttich
Ab 20. Oktober 1862 Montzen Stempel mit 18 vertikale Linien
Ab 15. April 1864 Montzen Stempel mit kleine Punkte in Rautenform Nr 254
Ab 10. März 1873 Montzen Stempel mit Doppelkreis
Ab 1. Februar 1875 Montzen Stempel mit einzelnem Kreis
Ab 10. Juni 1899 Belgisch Moresnet Stempel mit einzelnem Kreis
Für Preußen und später Deutschland :
Ab 1815 bis 1876 Aachen, Eupen und Herbesthal
Ab 1. August 1876 Preußisch Moresnet Stempel mit einzelnem Kreis
Ab ca. 1900 Preußisch Moresnet mit Segment Stempel.
Wie kann man alte Postsendungen erkennen
Wie kann man eine Postsendung erkennen die von oder nach Neutral-Moresnet
verschickt wurde? Da Neutral-Moresnet kein eigenes Postbüro hatte ist es
schwierig diese Post ausfindig zu machen. Die Post wurde, wie schon
beschrieben, von Preußen wie auch von Belgien zugestellt und verschickt. Für
die ausgehende Post gibt es kein Stempel der dies beweisen könnte. Man kann
also die ein- und ausgehende Post von Neutral-Moresnet einzig und allein an
folgende 3 Merkmale erkennen:
a) die Adresse des Absenders
b) die Adresse des Empfängers
c) ein offizieller Gemeindestempel
Postkarte von Hamburg nach Neutral-Moresnet
Für den Briefwechsel mit einem Gemeindestempel versehen ( sehr selten ) ist
der Beweis erbracht dass er aus dem neutralen Gebiet kommt. Für die Punkte
a) und b) gilt als Beweis wenn die Ortsnamen Neutral-Moresnet, N.Moresnet
oder Altenberg aufgeführt sind. Steht jedoch Preußisch Moresnet oder
Moresnet als Empfänger auf dem Brief kann nur der Straßenname
ausschlaggebend sein. Zur Vervollständigung sind hier unten die Straßennamen
von Neutral-Moresnet vermerkt :
Albertstrasse
Bachstrasse
Bauweg
Bergstrasse
Bruch
Comouthstrasse
Dörnschen
Driesch
Gartenstrasse
Hagenfeuer
Hattich
Heide
Heidkopf
Hoof
Kahnweg
Kapellenstrasse
Kässkorb
Kirchstrasse
Klothstrasse
Krickelstein
Lindenallee
Lütticherstrasse
Markt
Moresneterstrasse
Neustrasse
Parkstrasse
Patronagestrasse
Privatstrasse
Rottstrasse
Ruhr
Sandweg
Schulstrasse
Schützenstrasse
Soufflet
Sportstrasse
Steinkaul
Thimstrasse
Teckenbusch
Vossölder
Aprilscherz
Noch ein Detail aus der Postgeschichte sollte nicht unerwähnt bleiben. Es
betrifft den Belgier Jean-Baptiste Moens welcher auch als erster
Briefmarkenhändler bezeichnet werden kann.
J-B Moens kann in seiner Zeitschrift „le Timbre Post“ stets seine
Verlagskollegen überraschen mit dem besten Neuigkeiten aus der
Briefmarkenszene.
Es stört ihn jedoch dass der Pariser Mahé seine Berichte voll und ganz
unverändert übernimmt und in seiner Ausgabe der Zeitschrift „Le Timbrophile“
veröffentlicht ohne die Quelle seiner Berichte zu nennen.
Im Jahre 1867 beschließt Moens seinem Kollegen Mahé eins auszuwischen. In
der Aprilausgabe dieses Jahres lässt er einen Brief abdrucken welcher an
Moens ( also er selbst ) gerichtet ist. Hierin wird ihm durch den Herrn
Decrack , Direktor der Post zu Moresnet- einer Republik zwischen Holland und
Belgien gelegen-, mitgeteilt dass dort beschlossen wurde eine Serie von 4
Briefmarken heraus zu geben im Wert von 10ct und 20 ct für Belgien und von
12,5 ct und 25 ct für Preußen. Sie würden hergestellt durch die Firma De
Visch und Lirva aus Brüssel. Der Brief war unterschrieben mit J.S.Neom.
Wie Moens es schon erwartete erscheint im Timbrophile ein Bericht über
Briefmarken von Moresnet und dies wieder ohne Quellenangabe. Das war für
Moens wieder ein Beweis dass alles ohne Überlegung übernommen wurde denn bei
kritischem Lesen dieses Briefs wäre aufgefallen dass es sich hier um einen
Aprilscherz handelte.
Denn Decrack muss man lesen als de crack ( Lügner ), de Visch als flämisches
Wort für das französische poisson und Lirva von hinten nach vorne gelesen
Avril ( April ). Zusammengesetzt ergibt dies „Poisson d´Avril“ auf Deutsch
Aprilscherz.
Ebenfalls die Unterschrift ergibt von hinten nach vorne gelesen Moens J.
Abbildung der Fantasie Briefmarke die von Moens erfunden wurde um
seinen Kollegen rein zu legen.
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