De vlag van Neutraal Moresnet


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Neutral-Moresnet

1816 - 1919

Freimarken und Postverkehr

Postverkehr in Neutral-Moresnet

Obwohl im neutralen Gebiet nie ein richtiges Postbüro bestanden hat bleiben die Einwohner natürlich nicht vom Postverkehr verschont. So wie es auch mit anderen Sachen der Fall war konnten die Einwohner des neutralen Gebiets auch im Postverkehr auf zwei Gleisen fahren. Während der gesamten Dauer der Unabhängigkeit haben sowohl die Preußen als auch die Belgier, gleichzeitig jedoch völlig unabhängig von einander, den Postverkehr dort ausgeführt. Sollte ein Brief nach Preußen verschickt werden klebte man eine preußische Briefmarke auf und versand ihn mit der preußischen Post. Sollte der Brief aber nach Belgien gehen so versah man ihn mit einer belgischen Briefmarke und brachte ihn zur belgischen Post. In beiden Fällen galt der Inlandstarif.
Für die Postsendungen zu andere Länder konnte man einfach wählen zwischen den preußischen und den belgischen Dienst je nach dem preiswertesten Tarif.
Das nächstgelegene Postbüro Belgiens in Henri-Chapelle welches für die Post in Belgisch-Moresnet zuständig war war auch befugt diese im neutralen Gebiet zu verteilen. Das nächstgelegene Postbüro von Preußen in Herbesthal welches für Preußisch-Moresnet zuständig war hatte ebenfalls die Befugnis die Post in Neutral-Moresnet zu verteilen. Beide Büros hatten ihren eigenen Postboten welcher die Post im neutralen Gebiet zustellte und auch die Briefkästen leerte.
Später hat die Vieille Montagne dafür gesorgt dass ein preußisches Büro in Preußisch-Moresnet errichtet wurde. Sowie meistens wurde auch dieses Büro in Räumlichkeiten der Vieille Montagne untergebracht.

Kelmiser Verkehrsanstalt

Bemerkenswertes Detail der Postgeschichte des Neutralen Gebiets ist die Herausgabe einer Serie Briefmarken, nach einer Idee von Doktor Molly, Herrn Beaufays und Herrn Crickboom, durch die Kelmiser Verkehrsanstalt.
Diese Briefmarken wurden höchstwahrscheinlich nach dem Vorbild der preußischen Postdiensten ausgegeben und waren bestimmt für die Zustellung innerhalb des neutralen Gebiets.
Am 5.Oktober 1886 kamen diese Briefmarken im Umlauf und bestanden aus einer Serie von 8 Briefmarken im Wert von 1 Pfg, 2 Pfg, 3 Pfg, 4 Pfg, 5 Pfg, 10 Pfg, 20 Pfg und 50 Pfg.
Nachdem der Bürgermeister Kenntnis genommen hatte von dieser Ausgabe benachrichtigte er die beiden Kommissare. Da in Neutral-Moresnet noch das Französische Recht galt, welches den Postdienst als Staatsmonopol ansah, erließen die Kommissare eine Verbotsverordnung. Die Briefmarken wurden somit am 19.Oktober des gleichen Jahres als ungültig erklärt.
Sowohl die belgische als auch die preußische Post haben die durch die Kelmiser Verkehrsanstalt ausgegebene Briefmarken nie anerkannt.



Nach 2 Wochen wurden diese Briefmarken „außer Kurs gesetzt“.

Postbüros die das neutrale Gebiet versorgten

Für die Vereinigten Niederlande :
Henri-Chapelle, Herve und Lüttich

Für Belgien :
Herve und Lüttich
Montzen Stempel mit 18 vertikale Linien
Montzen Stempel mit kleine Punkte in Rautenform Nr 254
Montzen Stempel mit Doppelkreis
Montzen Stempel mit einzelnem Kreis
Belgisch Moresnet Stempel mit einzelnem Kreis
Für Preußen und später Deutschland :
Aachen, Eupen und Herbesthal
Preußisch Moresnet Stempel mit einzelnem Kreis
Preußisch Moresnet mit Segment Stempel.


Wie kann man alte Postsendungen erkennen

Wie kann man eine Postsendung erkennen die von oder nach Neutral-Moresnet verschickt wurde? Da Neutral-Moresnet kein eigenes Postbüro hatte ist es schwierig diese Post ausfindig zu machen. Die Post wurde, wie schon beschrieben, von Preußen wie auch von Belgien zugestellt und verschickt. Für die ausgehende Post gibt es kein Stempel der dies beweisen könnte. Man kann also die ein- und ausgehende Post von Neutral-Moresnet einzig und allein an folgende 3 Merkmale erkennen:

a) die Adresse des Absenders
b) die Adresse des Empfängers
c) ein offizieller Gemeindestempel


Postkarte von Hamburg nach Neutral-Moresnet

Für den Briefwechsel mit einem Gemeindestempel versehen ( sehr selten ) ist der Beweis erbracht dass er aus dem neutralen Gebiet kommt. Für die Punkte a) und b) gilt als Beweis wenn die Ortsnamen Neutral-Moresnet, N.Moresnet oder Altenberg aufgeführt sind. Steht jedoch Preußisch Moresnet oder Moresnet als Empfänger auf dem Brief kann nur der Straßenname ausschlaggebend sein. Zur Vervollständigung sind hier unten die Straßennamen von Neutral-Moresnet vermerkt :

Lindenallee
Lütticherstrasse
Markt
Moresneterstrasse
Neustrasse
Parkstrasse
Patronagestrasse
Privatstrasse
Rottstrasse
Ruhr
Sandweg
Schulstrasse
Schützenstrasse
Soufflet
Sportstrasse
Steinkaul
Thimstrasse
Teckenbusch
Vossölder


Aprilscherz

Noch ein Detail aus der Postgeschichte sollte nicht unerwähnt bleiben. Es betrifft den Belgier Jean-Baptiste Moens welcher auch als erster Briefmarkenhändler bezeichnet werden kann.
J-B Moens kann in seiner Zeitschrift „le Timbre Post“ stets seine Verlagskollegen überraschen mit dem besten Neuigkeiten aus der Briefmarkenszene.
Es stört ihn jedoch dass der Pariser Mahé seine Berichte voll und ganz unverändert übernimmt und in seiner Ausgabe der Zeitschrift „Le Timbrophile“ veröffentlicht ohne die Quelle seiner Berichte zu nennen.
Im Jahre 1867 beschließt Moens seinem Kollegen Mahé eins auszuwischen. In der Aprilausgabe dieses Jahres lässt er einen Brief abdrucken welcher an Moens ( also er selbst ) gerichtet ist. Hierin wird ihm durch den Herrn Decrack , Direktor der Post zu Moresnet- einer Republik zwischen Holland und Belgien gelegen-, mitgeteilt dass dort beschlossen wurde eine Serie von 4 Briefmarken heraus zu geben im Wert von 10ct und 20 ct für Belgien und von 12,5 ct und 25 ct für Preußen. Sie würden hergestellt durch die Firma De Visch und Lirva aus Brüssel. Der Brief war unterschrieben mit J.S.Neom.
Wie Moens es schon erwartete erscheint im Timbrophile ein Bericht über Briefmarken von Moresnet und dies wieder ohne Quellenangabe. Das war für Moens wieder ein Beweis dass alles ohne Überlegung übernommen wurde denn bei kritischem Lesen dieses Briefs wäre aufgefallen dass es sich hier um einen Aprilscherz handelte.
Denn Decrack muss man lesen als de crack ( Lügner ), de Visch als flämisches Wort für das französische poisson und Lirva von hinten nach vorne gelesen Avril ( April ). Zusammengesetzt ergibt dies „Poisson d´Avril“ auf Deutsch Aprilscherz.
Ebenfalls die Unterschrift ergibt von hinten nach vorne gelesen Moens J.






Abbildung der Fantasie Briefmarke die von Moens erfunden wurde um seinen Kollegen rein zu legen.